Jamboree 2011 (zum Vergrößern auf das Bild klicken)
Am 29.07.2011 um 8.00 Uhr starteten die Malteser einen
Einsatz der besonderen Art - es ging auf die Loreley am Rhein bei St. Goarshausen.
Dort veranstaltete die YMCA (auf deutsch: Christlicher Verein Junger Menschen –
CVJM) ein Treffen aller Jugendgruppen Europas auf einem gut ausgebauten
Campingplatz auf der Loreley.
Dort sollten in der Woche von Samstag, dem
29.07.2011, bis zum Samstag, den 06.08.2011, zahlreiche Events abgehalten
werden. Unser Auftrag war, innerhalb dieser Woche die medizinische
Grundversorgung aller 305 Teilnehmer zu gewährleisten. Über 280 Pfadfinder,
bunt gewürfelt aus Deutschland, Ungarn, Finnland, der Schweiz und Norwegen
trafen sich dort zum Jamboree (Pfadfindertreffen) 2011. Nach ca. 2,5 stündiger
Anreise trafen wir um 11.00 Uhr bei durchwachsenem Wetter ein. Nach dem
Einchecken und dem Einteilen der Unterkünfte wurde sofort die Unfallhilfsstation
(UHS) eingerichtet und das keinesfalls zu früh. Denn schon mussten die ersten
Hilfeleistungen erbracht werden.
Gleichzeitig wurde der Fahrdienst - auch von
den Maltesern Marburg gestellt - über die Reihenfolge der Transfers vom Bahnhof
in Goarshausen zum Zeltlager informiert. Es
konnte sofort damit begonnen werden, die am Bahnhof wartenden Teilnehmer
auf den Zeltplatz zu bringen, so dass der Aufbau des Lagers zügig voran ging. Für
den Transport hatten die Malteser verschiedene Fahrzeuge mitgebracht. Einige
Pfadfindergruppen waren schon seit mehr als drei Tagen mit Bussen, Bahn, Fähren
und zu Fuß unterwegs; diese freuten sich dann besonders über die Einrichtung
des Fahrdienstes: so ist ihnen der drei km lange beschwerliche Aufstieg zum
Zeltlager erspart geblieben.
Am Abend des ersten Tages wurden traditionell die
Flaggen der teilnehmenden Nationen unter Einspielung der Nationalhymnen gehißt.
Aus aktuellem Grund wurden die Flaggen anschließend auf Halbmast gezogen, um in
einer Schweigeminute der Opfer des Massakers in Norwegen zu gedenken.
Das
Küchenpersonal des Zeltlagers wurde durch drei Maltesern verstärkt. Gudrun, Uwe
und Detlef waren für das Bewirten der Pfandfinder zuständig, so dass wir immer
mehr Freunde fanden. Denn mit denen, die das Essen verteilen, muss man sich gut
stellen. Das wissen alle, auch über die Grenzen hinaus. Zwei besondere Events
standen in der Woche auf dem Programm.
Am Dienstag, den 02.08., begann nach dem
Frühstück das hiking, zu deutsch
Wandern, wo unsere Einsatzsanis Jeremias, Niklas und Axel alles gegeben haben.
Mit schwerem Einsatzrucksack ging es über Berg und Tal, 17 Kilometer mussten
durch schwerstes Gelände gewandert werden. Niklas hatte die steilste Steigung,
fast senkrecht und das mit dem Notfallrucksack. Seine Gruppe musste samt
Marschgepäck den Berg hinauf, um diesen anschließend wieder an einer anderer
Stelle hinunter zu klettern. An den Einsätzen des Fahrdienstes und des
Rettungswagens lässt sich erahnen, wie schwer die Tour war. Über 8 mal musste
der Fahrdienst aus den verschiedensten Ecken rund um die Loreley erschöpfte
Hicker holen, mit Kreislaufkollaps, Sonnenstich und wunden Füßen. Das Ziel, der
durch Mark und Bein gehenden Wanderung, war das Schwimmbad in Kamp Bornhofen,
wo die Nacht verbracht wurde. Die letzten Wanderer erreichten ihr Ziel um 19.00
Uhr.
Auf dieser Tour hat sich wieder einmal
gezeigt, dass die meisten Hilfeleistungen hätten vermieden werden können, wenn
man genug getrunken, das Sonnenöl auch benutzt, das richtige Schuhwerk und eine
Kopfbedeckung getragen hätte. Da die Nacht in Kamp Bornhofen verbracht wurde,
war der Abend im Basislager für die wenigen, die dort geblieben waren, sehr ruhig. Zwei Einsatzsanitäter waren hier vor Ort. Am
Mittwoch liefen ab 14.00 Uhr die ersten Heimkehrer der Hikingtour unter dem Jubel der noch im Zeltlager Verbliebenen ein.
Die letzten Grüppchen kamen passend zum Abendessen gegen 18.00 Uhr an, zwar
total erschlagen, aber glücklich, es geschafft zu haben. An diesem Tag
beschränkten sich die Hilfeleistungen auf Blasen- und Erschöpfungsversorgung.
Auch der Fahrdienst hatte an diesem Tag
einiges an Kilometern zu fahren.
Am Mittwoch fanden, wie die anderen
Tage auch, verschiedene Workshops statt. Unter anderem auch ein Erste Hilfe
Workshop, der vom Ausbilder Detlef geleitet wurde. In der Gruppe waren vier
Finninnen und ein Junge aus Deutschland, alle im Alter von 12 bis 15. Dank der Englisch-Kenntnisse
von Tobias aus Deutschland kamen wir gut voran.
Es zeigte sich sehr schnell, dass der Wissensstand der Teilnehmer sehr
gut war. Handwerkliche Workshops hatten zur Folge, dass Säge- und
Bohrverletzungen das Programm der Hilfeleistungen ergänzten.
Donnerstag, den
04.08. ging es per Schiff um 12.00 Uhr nach Koblenz. Am Schiffsanleger hatten
unsere Sanis noch eine Begegnung der besonderen Art: Es sah so aus, als wollte
ein Rettungshubschrauber auf ihren Köpfe
landen. Nachfragen bei der Polizei ergaben, dass eine männliche Person sich das
Leben nehmen wollte. Mit auf Tour waren Peter, Dominik, Sandra, Axel, Niklas und
Jonas. Auf der Fahrt nach Koblenz musste hilfeleistungsbedingt in Lahnstein
angelegt werden, da bereits der erste „Kreislaufkollaps“ ins Krankenhaus
abtransportiert werden musste. Die Patientin wurde am Abend wieder in die Obhut
der Camp-Sanitäter entlassen. In Koblenz angekommen, begann der Ausflug mit
einer Erkundungstour. Während dieses Aufenthalts kam es zu einem erneuten
Notfall. Eine junge blonde Norwegerin hatte sich zu lange ohne Kopfbedeckung in
der Sonne aufgehalten, so dass sie einen „erstklassigen“ Sonnenstich hatte.
Ein erneuter Rettungswageneinsatz mit
Notarzt war notwendig und dann ab in die Koblenzer Kinderklinik. Dort wurde sie
später von unserem Krankenfahrdienst wieder „eingesammelt“.
Fazit der Malteser-Sanitätsgruppe:
Unser Einsatz beim Jamboree 2011 auf der Loreley mit und für
den CVJM war eine tolle Erfahrung.
Wir konnten uns fachlich-medizinisch super einbringen.
Wir waren acht Tage durchgehend im Dienst, in Bereitschaft
und hatten ca. 250 Hilfeleistungen: von
Sonnenstich, Kreislaufkollaps, Armbruch, Bänderdehnung, Schnittverletzungen,
Bohrverletzung, bis Wespenstich, Blasen, psychosozialer Betreuung (Heimweh) und
vielem mehr.
Dieser Einsatz hat die Sanitätsgruppe nochmals geprägt,
besonders in Bezug auf „Teamarbeit“ und Wertschätzung für jedes Mitglied